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Eine 55x85 mm große Miniaturbühne der Persönlichkeit

Auch im digitalen Zeitalter gehören sie in der Geschäftswelt zum Begrüßungsritual und stellen eine positive Geste im persönlichen Umgang dar. Ein wenig wurde dies in der letzten Zeit vergessen, galt es als hipp die Kontaktdaten auf elektronischen Wege auszutauschen, die Smartphones zu koppeln oder aneinanderzuhalten.  Dabei ging etwas verloren – das Hin und Her, das Geben und Nehmen der Karten, eine Geste des sich „Öffnens“. Nach der formellen Begrüßung stellt die Visitenkarte eine zweite Gabe dar, begleitet von der Botschaft „Damit du mich nicht vergisst“. Wie so oft versteht man in China  durch ein regelrechtes Tausch-Zeremoniell bei der Übergabe die Wichtigkeit dieses Handels zu unterstreichen. „Man hält die eigene Karte mit beiden Händen in Brusthöhe, deutet eine Verbeugung an, überreicht die Karte dem anderen und nimmt im Gegenzug dessen Karte entgegen, die man andächtig studiert, bevor man sie in der Westentasche verschwinden lässt.“ (1) Hierzulande sollte beachtet werden, das man auch in Europa den Gabencharakter dahingehend unterstreicht, eine Visitenkarte nicht irgendwie zu übergeben, sondern diese „im Stehen“ an seinen Gesprächspartner oder Meetingteilnehmer weitergibt. Beim Meeting können die kleinen Karten dezente Hilfe bieten wenn einem der Name des Gegenübers entfallen ist. Hier auf´s Handy zu schauen wäre geradezu peinlich.

Die Visitenkarten, die vermutlich durch französische Kaufleute Ende des 17. Jahrhunderts eingeführt wurden, sind kleine Ausrufezeichen. „Sie bieten auf einen Stückchen Karton, im 55-x-85-Format einer Kreditkarte, eine Miniaturbühne der Persönlichkeit.“(1) Wir erinnern uns, mit der Karte will ich bekunden: Bitte behalte mich im Gedächtnis, das ist mein Name, das ist das Unternehmen, welches ich repräsentiere. Gewünschter Nebeneffekt ist zudem die diskrete Mitteilung zur eigenen Position im Unternehmen. All dies soll präsentiert werden. Wie auch in anderer Hinsicht kann man leise und dezent oder laut und schrill auftreten. „Bei Visitenkarten gilt aber, weniger ist mehr. „Schöne Visitenkarten unterscheiden sich im Detail, in der Feinheit der Typografie, in der Präsentation des Logos. Jeder zweite Visitenkarten-Knigge warnt vor „witzigen“ Ideen“. (1)

Die Plastik-Visitenkarte eines Dentisten mit einem integrierten Stück Zahnseide kommt nicht überall gut an. Lassen Sie doch eine ansprechende Gestaltung und den haptischen Eindruck eines edlen/veredelten Materials für sich sprechen. Die Daten zur Person werden immer umfangreicher: Firmen- und Niederlassungsanschrift /Privatadresse/Telefon/Fax/Funk/Mail/Web/soziale Netzwerke etc. Alle diese Kontaktdaten auf die Visitenkarte – besser nicht!  „Man fühle sich nicht mehr beschenkt, sondern belästigt“ so H.G. Pospischil, Professor für Kommunikationsdesign an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.(1) Besser: Auf der Vorderseite Name und/oder Logo auf der Rückseite die Daten zur Firma/Person. „Oder noch besser, man gibt auf seiner Karte nur die Internet-Adresse an: Die „com-Karte“, so Pospischil, lenke die Aufmerksamkeit auf die Website, die alle wichtigen Kontaktinformationen versammelt und damit zur erweiterten Visitenkarte wird“(1). Egal wie die kleinen Karten auch gestaltet sind, sie gelten weiter, oder besser wieder, als „schick“. Sie sind „Türöffner der Kommunikation“, so der Frankfurter Soziologe Tilman Allert. (1) Der Tausch der Karten am Beginn eines Gesprächs gehört zu den vertrauensbildenden Maßnahmen. „Sie ist, im wahrsten Sinne des Wortes, eine verbindliche Zwischenmenschlichkeit“. (1)

(1) Quelle: Wirtschafts Woche 20 08/05/2015

 

Na dann stellen sie mal Ihre Karte auf den Prüfstand – und vergessen Sie nicht die leichte Verbeugung bei der nächsten Übergabe - „im Stehen“!

NL